Die Geschichte des MoveoSiphon

Geruchsverschlüsse sind als Keimreservoire und Ausgangspunkt für die Übertragung pathogener Erreger und die Patienten-Kolonisierung bekannt. Praktikable Lösungen zum sicheren Ausschluss von Geruchsverschlüssen als Erregerquelle gab es jedoch lange Zeit nicht. 

Erste Versuche

Zur Verhinderung des bakteriellen Wachstums in den Abflüssen erhitzten Prof. Döring und Mitarbeiter bei ihren Untersuchungen in der Universitätskinderklinik Tübingen die Waschbecken-Abflüsse auf 70 °C und erreichten damit P. aeruginosa-negative Handkulturen des Personals nach dem Waschen.

In den 90er Jahren wurde für Mukoviszidose-Patienten nach Desinfektionsmöglichkeiten der Geruchsverschlüsse für den Heimgebrauch gesucht; jedoch erwies sich die thermische Desinfektion als nicht beherrschbar und die Peroxyessigsäure-Anwendung als zu kostenintensiv.2

Erfolgreiche technische Lösung

Erst die 1996 durch Herrn Dr. Schluttig (Biorec/Lauta) begonnenen Entwicklungsarbeiten zum „selbstdesinfizierenden Geruchsverschluss“ mit dem Ziel, Biofilmbildung und Emission von Keimen dauerhaft vollständig zu verhindern, führten schließlich zu einem sicheren und validierbaren Desinfektionssystem – dem Medizinischen Hygienesiphon Biorec. Das Biorec-System wurde erstmals erfolgreich 1999 an der Universitätsklinik Tübingen getestet.2

 

Ab 2002 erfolgte eine Langzeit-Untersuchung im Oberlausitz-Klinikum Bischofswerda. Erregerstatistiken und die Erhebung der nosokomialen Infektionen zeigten nach dem Einbau der Biorec-Geräte eine deutliche Abnahme der Patienten–Kolonisierung und des Auftretens nosokomialer Infektionen.3,4 

Auch in Untersuchungen auf einer neonatologischen Intensivstation zeigte sich, dass der Biorec-Hygienesiphon durch die Kombination von kontinuierlicher Thermodesinfektion mit niederfrequenter Vibration die Biofilmbildung verhindert und Siphons als Bakterienreservoire ausschaltet und somit eine wirksame Technik darstellt, um die aerogene Verbreitung nosokomialer Pathogene durch Geruchsverschlüsse zu unterbinden.5

Der Einsatz der Hygienesiphons wurde in den 2004 für das Universitätsklinikum Greifswald erarbeiteten Hospital Water Safety Plan integriert.6

Einsatz in Deutschland und im Ausland

Seit dem 1. September 2012 wird das Gerät von der Firma MoveoMed GmbH in Radebeul bei Dresden hergestellt und weiterentwickelt und unter dem Namen MoveoSiphon als sonothermisches Desinfektionssystem vermarktet. Publikationen und Fallberichte dokumentieren den wirkungsvollen Einsatz der Geräte in klinischen Einrichtungen.

Quellen 

1) Döring et al., Zbl. Hyg. 191, 494-505 (1991)
2) A. Kramer, A. Schluttig, Management & Krankenhaus, 10/2006
3) Sissoko et al., Hyg. Med. 2004 (29), 12: 451-455
4) Sissoko et al., Hyg. Med. 2004 (29), 1/2: 12-16 
5) Kramer et al., Umweltmed. Forsch. Prax.10(5), 2005
6) Dyck et al., BMC, Vol. 7, p. 34 (2007) / Management & Krankenhaus, 7/2006

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