Eine aktuelle KRINKO-Empfehlung und Forschungsarbeiten am UKB identifizieren Abwassersysteme in medizinischen Einrichtungen als Reservoire für Infektionserreger, Antibiotika-Rückstände und Resistenzgene. Dabei spielen Siphons unter Waschbecken eine nicht unwesentliche Rolle. Der Ersatz der herkömmlichen Standardsiphons durch den selbstdesinfizierenden MoveoSiphon ST24 ist in Risikobereichen eine wirksame Präventionsmaßnahme.

Abwassersysteme medizinischer Einrichtungen haben in der Vergangenheit bei der Suche nach Keimreservoiren und Verbreitungswegen von Krankheitserregern eine eher untergeordnete Rolle gespielt.

Da aber eine Reihe von wissenschaftlichen Arbeiten den Zusammenhang von Ausbruchgeschehen in klinischen Einrichtungen und abwasserführenden Systemen belegt und sich Publikationen zu antibiotikaresistenten Erregern in Abwässern häufen, wurden von der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert-Koch-Institut die „Anforderungen der Hygiene an abwasserführende Systeme in medizinischen Einrichtungen“ als Empfehlungen und Vorschläge zur Infektionsprävention zusammengestellt (Bundesgesundheitsbl 2020, 63: 484-501).

Diese aktuellen Empfehlungen sind insbesondere von Bedeutung, da Klinikabwässer nicht anders als private und kommunale Abwässer behandelt werden, keine Verpflichtungen für eine Vorbehandlung bestehen und eine getrennte Entsorgung von Körperflüssigkeiten und Ausscheidungen der Krankenhauspatienten nicht für notwendig erachtet wurde.

Daher wird nun in den Empfehlungen das gesamte abwasserführende System medizinischer Einrichtungen betrachtet - dort beginnend, wo Körperflüssigkeiten und Ausscheidungen in das System gelangen, z. B. durch Eintrag in Waschbecken und deren Siphons.

In Auswertung der Literaturdaten wird auf die Expositions- und Kontaminationsrisiken durch Zurückspritzen bzw. Aerosolbildung beim Wasserablauf hingewiesen sowie auf die Bedeutung von Biofilmen in Waschbeckenabläufen als Nische für Antibiotika-Resistenzgene, horizontalen Gentransfer und Ausgangspunkt für Ausbrüche.  U. a. werden Studien von Kossow et al. (Clin Infect Dis 2017, 65(6): 935-942) und de Jonge et al. (J Hosp Infect 2019, 102(1): 70-74) referiert, bei denen sich die Installation von selbstdesinfizierenden Siphons (MoveoSiphon) anstelle herkömmlicher Standardsiphons bei der Infektions- und Ausbruchskontrolle bewährte, ebenso eine frühe Publikation von Döring et al. (Zentralbl Hyg Umweltmed 1991, 191(5-6): 494-505) zur Vermeidung Pseudomonas aeruginosa-haltiger Aerosole durch Erhitzen von Waschbeckenabflüssen.

Die von der Kommission zusammengestellten Empfehlungen enthalten die grundsätzlichen Anforderungen der Hygiene an die abwasserführenden Systeme  in medizinischen Einrichtungen, wie Waschbecken-Design und Desinfektion im Sanitärbereich. Die Ausstattung der Abflussleitungen der Waschbecken mit thermisch desinfizierenden Siphoneinheiten in Bereichen mit besonderem Infektionsrisiko wird beispielhaft für Präventionsmaßnahmen für abwasserführende Systeme in medizinischen Einrichtungen aufgeführt (Informativer Anhang/Tab. 2 der KRINKO-Empfehlungen).